1. Radtour im Frühling 2018

Diese Reise hat mich von Graz – der Mur entlang – zur Südgrenze von Österreich geführt.  Der Grenze entlang, teilweise in Österreich und teilweise in unseren Nachbarländern Slovenien und Ungarn ging es dann bis nach Hainburg. Durch den Nationalpark DonauAuen die Donau aufwärts ging es dann noch bis nach Wien.

Meine Tagesberichte und Bilder findet Ihr in der Folge chronolisch gereiht.

Liebe Grüße
Gerhard

Am Sonntag geht es (hoffentlich) los.

Für komenden Sonntag habe ich schon vor Wochen ein Zugticket
Wien – Graz für mich und für mein Fahrrad gebucht.

Leider habe ich beim Fahrrad-Check nun einen bösen Schaden an der hinteren Felge meines Reiserades entdeckt:

An dieser Stelle ist eine Speiche aus der Felge ausgebrochen und in der Folge gibt es nun an mehreren Stellen Risse.

Eine neue Felge für mein Rad.

Wer nun glaubt, dass eine neue Felge schnell bei der Hand ist, der irrt.

Erstmal braucht es einen Fahrradladen der auch Ersatzteile lagernd hat.
Und wenn man den hat (preisgünstig soll er ja auch noch sein) dann erfährt man dass es viele verschiedene Felgen es gibt und dass die, die man braucht eben nicht lagernd ist.
Und nun warte ich auf die Lieferung der Felge ( … ein paar Tage habe ich ja noch)

Ich gehöre, so sagt man mir, mit dem Felgenkauf ja auch einer Minderheit an – die meisten Kunden kaufen in so einem Fall ein komplettes Laufrad neu … und das wäre schon lagernd gewesen.

Geht es am Sonntag wirklich los?

Ich werde am Sonntag entweder von der Zugfahrt und der 1.Etappe von Graz nach Leibnitz berichten oder aber über mein Leid klagen. Mal sehen.

LG Gerhard

 

Es ist losgegangen!

Ich sitze gerade im Frühzug nach Graz, das Fahrrad hängt am Haken und im Kürze bekomme ich wohl auch einen Kaffee.

Das Wetter ist traumhaft schön und ich habe jetzt Zeit (zum Schreiben) bis zur Ankunft in Graz.

Die Felgen-Reparatur

Am Donnerstag konnte ich meine neue Felge abholen und das ist jetzt eine die für höhere Belastungen geeignet ist.

Nur das mit dem Austauschen der Felge hatte ich mir etwas leichter vorgestellt…

Man muss den Einbau einer neuen Felge ja als zwei getrennte Arbeitsschritte betrachten. Das Einspeichen und das Zentrieren.

Das Einspeichen hat viel mit Stricken zu tun. Welche Speiche endet in welcher Öffnung der Felge und welche Speiche wird innen und welche außen geführt und und und.

Ich hatte mir die alte Felge genau angesehen und auch Bilder des Flechtmusters gemacht. Leider habe ich das nicht genau genug gemacht und so war ich heilfroh das Vorderrad als Kopiervorlage zu haben .

Beim vierten Versuch war ich dann erfolgreich und der zweite Schritt, das Zentrieren erwies sich (mit einer nagelneuen Felge) als einfachere Aufgabe.

Beim Zentrieren geht es darum alle Speichen gleichmäßig anzuziehen bis die Felge ohne Höhen- oder Seitenschlag läuft.

Die Probefahrt

Mitte April, so um 10 Uhr, 25 Grad, strahlend blauer Himmel und eine viertel Stunde von uns entfernt.

Also, ich melde mich dann heute Abend aus der Südsteiermark.

LG Gerhard

PS: Ich bin inzwischen am Semmering,und der Kaffee ☕ war nicht schlecht.

Die Schiffsmühle in Mureck

Nicht dass ich schon jemals etwas von einer Schiffsmühle in Mureck gehört hätte, auch Mureck war mir nicht so richtig ein Begriff. Trotzdem sind Mureck und die hiesige Schiffsmühle mein heutiges Tagesziel geworden.

Das liegt vor allem daran dass es von Graz die Mur entlang etwa 70 Kilometer bis hierher sind. Es ist den ganzen Tag gleichmäßig bergab gegangen, (sagt mein Navi – gemerkt habe ich es nicht so recht) trotzdem tut mir der Hintern ein wenig weh und müde bin ich auch.

Das Wetter war “1A mit Stern” und ich habe einige schöne Bilder für Euch.

In Graz wird gerade ein Abwasser Sammelkanal entlang der Mur gelegt.

Zur Reiseroute

Eigentlich wollte ich von Graz die Mur entlang bis zur Mündung in die Drau, dann die Drau entlang bis zur Mündung in die Donau (bei Osijek) und dann die Donau aufwärts nach Wien fahren. Den 2.Teil des Mur-Radweges vom letzten Jahr sozusagen. Es ist mir aber nicht gelungen in Slowenien Radwege zu finden und so habe ich die Route umgeplant:

Von Graz die Mur entlang bis Spielfeld, weiter die Mur entlang solange sie Grenzfluss ist und dann ungefähr die Südgrenze Österreichs entlang nach Osten bis ich zur Donau komme und dann wieder Flussaufwärts nach Wien.

Die ÖBB und die Fahrräder

Die Fahrt von Wien nach Graz war wirklich günstig und man kann das inzwischen auch ohne Probleme buchen. (Für internationale Strecken gilt das leider nicht)

So richtig zufriedenstellend ist der Buchungsvorgang – ich verwende eh’ die ÖBB App – aber nicht. Der Frühzug heute war so gut wie leer, die Platzreservierung für mein Fahrrad habe ich für den ersten Waggon bekommen die Platzreservierung für mich war irgendwo im vierten Waggon. (Man kann bei der Buchung keinen Einfluss darauf nehmen welcher Platz für einen reserviert wird ) Die Sitzplätze in der Nähe der Radhaken für Radfahrer bevorzugt zu vergeben sollte softwaretechnisch ja keine besondere Herausforderung sein.

Mureck und die Schiffsmühle

Mein Quartier hier ist recht gut und der Empfang war ausnehmend freundlich.

Das Abendessen beim Schiffsmühle (da musste ich einfach Fisch essen) war auch ganz OK (aber ohne 1A und ohne Stern)

Hier nun die Bilder vom Tag :

Unter der A9 (nahe Spielfeld)

Statistik:

Strecke: 85 km
Zeit: 04:37 Std
⏫ 66 m
⏬ 169 m

LG und bis morgen

Gerhard

Von Fluss-Auen und vom Hügelland

Von Mureck weg ist man in den Mur-Auen unterwegs und die brauchen Zeit.

Man ist hier im Natura 2000 Europaschutzgebiet und vom Murturm hat man nach 168 Stufen eine ganz gute Aussicht. (Die Schiffsmühle von gestern gehört auch schon zur Natura 2000) Es geht an vielen kleinen Seen und Teichen entlang bis nach Bad Radkersburg. Einige Seen sind offizielle Badeseen, einer auch mit Campingplatz und das Buffet dort serviert guten Kaffee.

Bad Radkersburg ist halt ein Thermenort mit ausserordentlich heilsamen Wasser und jeder Menge Kurhotels. Interessant ist die Lage in einer geografischen Ausstülpung die an 3 Seiten von Slovenien umgeben ist. Hier endet der Murradweg und die Mur ist nicht länger Grenzfluß zwischen Österreich und Slovenien.

Von den vielen Radwegen die es hier gibt habe ich mir den R12 (der hier auch der Eurovelo 9 ist) ausgesucht und bin der Grenze entlang nördlich bis St. Anna am Aigen gefahren.

Kurz hinter St. Anna verlässt man das Südoststeirische Hügelland und kommt ins ebenso hügelige Süd-Burgenland.

Das Wetter

Bis hierher war das Wetter ein Traum, nur vielleicht eine Spur zu heiss. Wolkenloser Himmel und eine gnadenlose Mittagssonne haben die Steigung nach St. Anna zur Qual gemacht.

Das Burgenland hat da etwas Abwechslung gebracht und links und rechts von mir sind Gewittersteifen vorbeigezogen, bis mich dann kurz vor Jennersdorf ein Gewitter erwischt hat. Wie gerufen bin ich bei den ersten Regentropfen zu einer Bushaltestelle mit Häuschen gekommen und habe dann – im Trockenen sitzend – das Gewitter genossen. Es hat für meinen Geschmack ein wenig zu lange gedauert, aber genau genommen waren es ja auch 3 Gewitter die unmittelbar hintereinander durchgezogen sind. Nach den Gewittern ist das Wasser auf den Feldern etwas hoch gestanden und auf die Wege waren mit Blüten, Pollen und Ästchen bedeckt.

Von Jennersdorf bin ich dann noch nach Maria Bild – einem naheliegenden Wallfahrtsort – gefahren. Hier übernachte ich im Gasthaus neben der Kirche.

Tagesstatistik:

Strecke: 87 km
Fahrzeit: 05:22 Std
⏫ 665 m
⏬ 589 m

Gesamt:

Strecke: 172 km
Fahrzeit: 09:59 Std
⏫ 731 m
⏬ 758 m

Von schlammigen Waldwegen und schneidigen Ungarn

Begonnen habe ich heute auf einsamen, schlammigen Waldwegen auf dem Narringerberg.

Ich habe mir heute von LocusMaps – meinem bevorzugten Navigationpropramm – die Tagesroute überarbeiten lassen. Wenn man dem sagt “auch unbefestigte Strassen” dann ist jeder Feldweg auf der Strecke mit eingeplant. Das ist ja eigentlich auch gut so , aber nicht wenn es am Vortag (und in der Vorwoche) ausgiebig geschüttet hat. Mein Waldweg war also nicht nur einsam sondern auch schlammig. Nun ja, schieben hilft und die Schuhe sind bis morgen früh auch wieder trocken.

Es war am Vormittag noch wolkig und die Temperatur mit 20 Grad auch recht angenehm.

Vom Narringerberg herunter ist man in der Gegend von Güssing und hier beginnt das Uhudler-Viertel.

An Eisenberg vorbei habe dann in Rechnitz Mittagspause – auf einer Bank vor dem Friedhof – gemacht.

Nein morbid gestimmt nach der Schlammschlacht war ich nicht. Ich wollte mir in Rechnitz ein gutes Mittagessen gönnen, aber ausser Eissalons und Kaffeehäusern hatte ich nichts ansprechendes gefunden und die Bank vor dem Friedhof war dann der bequemste Platz für meine Mittagsrast.

Bis Lutzmannsburg (auch eine Therme) ging es mal auf der österreichischen und mal auf der ungarischen Seite auf ruhigen Nebenstrassen dahin. Hinter Lutzmannsdorf habe ich dann endgültig nach Ungarn gewechselt und bin bis an das Südende des Neusiedler See’s gefahren. Fertöd heißt das Städtchen in dem ich heute übernachte.

Ja und auf diesen letzten 20 Kilometern auf einer stark befahrenen Landstrasse bin ich vielen “schneidigen” Ungarn – die mit hohen Geschwindigkeiten und geringem Seitenabstand unterwegs waren – begegnet. Die 90 Km/h auf Landstrassen scheinen eher eine unverbindliche Anregung zu sein und die weißen Kastenwagen sind (so wie bei uns) eine Landplage. Es war nie wirklich gefährlich, aber lustig war es nicht.

Die Dörfer hier in Ungarn schauen nicht viel anders aus als die im Burgenland – langgezogene Strassendörfer eben. Aber die offenen Wasserrinnen auf beiden Seiten der Strasse geben dem Ganzen doch eine eigene Note.

Tagesstatistik:

Strecke: 122 km
Fahrzeit: 07:06 Std
⏫ 905 m
⏬ 1.092 m

Gesamt:

Strecke: 294 km
Fahrzeit: 17:05 Std
⏫ 1.636 m
⏬ 1.850 m

Der Tag der Naturschutzgebiete

Vom ungarischen Fertő-Hanság Nemzeti Park in den burgenländischen Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel, dann quer durch bis Kittsee flussaufwärts bis Hainburg, dann über die Brücke und durch den Nationalpark Donau-Auen nach Wien.
So hatte ich das geplant und bis auf die Donau-Auen hat es auch gut funktioniert.

Aber alles der Reihe nach:
Gleich hinter Fertöd beginnt der Fertő-Hanság Nemzeti Park und mit mir waren einige Schulklassen lautstark auf dem Zufahrtsweg unterwegs. Die Mädchen alle brav rechts und links davon – weit in der Strassenmitte – die Lehrerinnen (und/oder Mütter ?)

Das Wetter war auch heute wieder Sonderklasse und jede Menge Naturfotografen belauerten die Zugvögel. Man erkennt sie an ihren grossen Objektiven auf einem Dreibeinstativ, dahinter gibt dann noch eine Spiegelreflexkamera – die spielt aber grössenmäßig keine besondere Rolle.

Hier gibt es nichts mehr das an eine Grenze erinnert, man ist die meiste Zeit auf Radwegen unterwegs und irgendwann sind die Verkehrschilder eben Österreichische.

 

Hinter Weiden geht es die auf die höhere Ebene mit den Windkraftwerken hinauf. Der Wind war lau die Flügel drehten sich nur gemächlich.

An einer Stelle an der einige Windräder nahe an der Strasse stehen sah ich das folgende Warnschild:

Das hat mich nun richtig erstaunt! Da schreibt doch der Betreiber, daß er die Benutzer dieser öffentlichen Strasse mit seiner Anlage wissentlich gefährdet. Vielleicht verstehe ich das aber nur falsch und es ist eine versteckte Schlechtwetter-Strassensperre bei der der Passant selbst erkennen muß ob die Strasse gesperrt ist oder nicht.
Eigentlich sollte man doch annehmen daß bei einem Gefahrenumfeld von 200 Metern Windräder mehr als eben 200 Meter von öffentlichen Strassen und Wegen entfernt sein müssen.

Ein Stück weiter hat ein andere Betreiber sogar eine Warnleuchte mit installiert – die Gefahr scheint also eine beträchtliche zu sein. Man könnte ja wenn Gefahr droht auch die Windräder direkt neben der Strasse abschalten. (Wann es gefährlich ist weiß man offensichtlich, weil man ja dann die Warnleuchte einschaltet.)

 

Von Kittsee aus hat man einen schönen Blick nach Bratislava, dann zieht es sich etwas bis nach Hainburg und hinter der Donaubrücke war dann die Abfahrt zum Radweg gesperrt.

Die Donau-Auen bleiben den Radreisenden bis 2020 versperrt. Die über 100 Jahre alten Dämme am linken Donauufer werden saniert und erweitert und der Radweg wird solange auf die Landstrasse und oberhalb von Eckartsau durch den dortigen Schlossgarten und auf Feldwege umgeleitet.
Bei starkem Gegenwind und vielen Kraftfahrzeugen nicht gerade lustig, aber eine Einkehr beim Radlerftreff in Schönau hat mich wieder mit dem Leben versöhnt und für die letzten Kilometer fit gemacht.

Hier noch ein kleiner Exkurs zum Thema Verkehrsschilder:
   
      Richtungsweisend                        Verwirrend                            Verzweigend

 

Einen Überblick über die Gesamtstrecke folgt noch.

LG Gerhard
Am Besten mit genug Luft
in Lunge und Reifen unterwegs

 

Tagesstatistik:

Strecke: 140 km
Fahrzeit: 07:36 Std
⏫ 249 m
⏬ 139 m

Gesamt:

Strecke: 434 km
Fahrzeit: 24:41 Std
⏫ 1.885 m
⏬ 2.043 m